Am 29. Juli 1889 gründete Pfarrer Goebel mit 40 Handwerksgesellen den Steinheimer Gesellenverein. Im Sinne Adolph Kolpings sollte er die berufliche Wanderschaft fördern und die religiöse und berufliche Weiterbildung ermöglichen. Der junge Verein kam schnell zur Blüte und sicherte sich einen Platz in der Öffentlichkeit.
Im Jahre 1933 wurde offiziell der Name „Kolpingsfamilie“ eingeführt. Als im Jahre 1942 fast alle Mitglieder eingezogen waren, kam jegliche Vereinstätigkeit von selbst zum Erliegen. Aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt, trafen sich im September 1945 acht Mitglieder mit Vikar Plümpe zum Neuanfang. Vielfältig war das Leben in der Steinheimer Kolpingsfamilie, die durch ihre Feste, ihre zahlreichen Theateraufführungen, aber auch durch ihre Bildungsarbeit im Leben der Emmerstadt ein unübersehbarer Faktor war und ist.
Durch Häuserabrisse und Papiersammlungen wurden in den 60er Jahren ca. 100.000 DM aufgebracht, um den Neubau eines Jugendheimes finanziell zu unterstützen. Das Haus konnte 1968 eingeweiht werden. Bis 1997 führte die Kolpingsfamilie 33 Jahre Papiersammlungen durch und leistete somit einen Beitrag für die Umwelt. Der größte Teil der Erlöse ist für soziale Zwecke in der 3. Welt, aber auch für Steinheimer Einrichtungen weitergegeben worden. Großes Engagement und Ehrenamtlichkeit fanden ihr Ende durch die blauen Tonnen der Müllabfuhr.
Seit 1997 übernahm die Kolpingsfamilie wöchentlich die Reinigung der 17 Glascontainerstandorte in der Großgemeinde. Der Erlös geht an örtliche Institutionen oder an das Begegnungszentrum. Seit über 50 Jahren finden jährlich Kleidersammlungen zugunsten sozialer Zwecke statt.
Als 1981 in Polen die Versorgung der Bevölkerung zusammenbrach, startete die Kolpingsfamilie mit dem damaligen Präses Romanski als Verbindungsglied und mit Unterstützung der gesamten Bevölkerung eine beispiellose Hilfsaktion. Ca. 100 t Hilfsgüter wurden in zahlreichen Transporten nach Allenstein gebracht, wo das Priesterseminar als Verteilerstelle fungierte.
Für viele Jahre war das „Gänseköppen“ das große Sommerfest der Kolpingsfamilie. Beispielslose Festwochen waren im Jahre 1949 zum 60. Jubiläum, 1964 zum 75. Stiftungsfest und 1989 zum 100-jährigen Jubiläum mit Festumzügen und viel Programm.
Beeindruckende Höhepunkte waren die einwöchige Pilgerreise im Jahre 1991 nach Rom, als Adolph Kolping durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wurde, und die Teilnahme an den Kolpingtagen in Köln, im Jahre 2000.
Beim Diözesan-Kolpingtag 2004 in Rietberg gewann die Kolpingsfamilie mit einer Dokumentation zu dem Motto „Zukunft bewegt uns“, auf Diözesanebene den ersten Preis für gute erfolgreiche Familienarbeit.